Aktuell
27.01.2010
 
Saab bekommt eine zweite Chance. Unter einem neuen Besitzer soll die Traditionsfirma aus ihrem Absatztal herausfinden. Der niederländische Sportwagen-Hersteller Spyker will die Kunden wieder für die Wagen aus Trollhättan begeistern. Für 400 Millionen Dollar in bar und Vorzugsaktien kauft er dem US-Autokonzern General Motors (GM) dessen chronisch defizitäre Tochter ab. "Saab ist eine Kultmarke", sagte Spyker-Chef Victor Muller. "Wir fühlen uns geehrt, sie zu führen."
 
Die am späten Dienstag verkündete Übernahme bedeutete Rettung in letzter Minute. Denn mit dem Besitzerwechsel ist die geplante Schließung von Saab mit seinen 3.400 Mitarbeitern vom Tisch. "Die Vereinbarung mit Spyker Cars hat Saabs Zukunft gesichert", sagte Saab-Chef Jan Ake Jonsson. Mit frischen Modellen wie der Limousine 9-5 will das Unternehmen wieder in die richtige Spur kommen.
 
Die Entscheidung löste auch bei den deutschen Saab-Händlern große Erleichterung aus, auch wenn man die Hoffnung auf eine gute Wendung nie verloren hatte (wir berichteten). "Wir freuen uns sehr darüber, dass der Tagesbetrieb nun wieder auf vollen Touren laufen kann und die Produktion des Saab 9-5 starten kann", sagte Händlerverbandspräsident Frank Jaenicke am Mittwoch gegenüber AUTOHAUS Online. Bis dato lägen den Händlern noch keine Preislisten zum neuesten Modell vor, nun hofft man darauf, bislang auf Eis liegende Kundenaufträge tatsächlich bestätigen zu können. In den kommenden Tagen sollen die Händler in einer Telefonkonferenz über weitere Details zum Verkauf an Spyker informiert werden. Spyker-Chef Muller versprach Saab alle nötige Hilfe. Auch die Mitarbeiter waren erleichtert. "Wir sehen mit dem neuen Besitzer eine Zukunft", sagte Gewerkschafterin Anette Hellgren dem schwedischen Sender SVT. Eine Arbeitsplatz-Garantie gibt es indes keine.


Spyker-Aktie im Höhenflug
 
Käufer Spyker stellt Sportwagen für eine exklusive Klientel her. Zu den Besitzern zählen viele reiche Liebhaber. Das Unternehmen ist börsennotiert. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Saab-Verhandlungen sprang die Aktie am Mittwoch um mehr als 50 Prozent auf fast sechs Euro hoch. Zum Jahreswechsel war das Papier gerade mal gut zwei Euro wert gewesen. "Es gibt wohl einige Privatanleger, die diese Geschichte feiern", sagte ein Aktienhändler.
 
Einer breiten Öffentlichkeit ist Spyker mit dem Einstieg in die Formel 1 bekannt geworden. Die Niederländer hatten 2006 das Team Midland um den deutschen Piloten Adrian Sutil übernommen, aber ein Jahr später schon wieder an den indischen Milliardär Vijay Mallya weiterverkauft.
 
Der neue Besitzer von Saab nimmt sich die deutschen Autobauer zum Vorbild, um den schlingernden schwedischen Hersteller wieder in die Spur zu bringen. "Was ist mit Porsche? Wie kann ein kleiner Autohersteller, der in den 1980er Jahren an der Grenze zur Insolvenz stand, heute 100.000 Wagen im Jahr produzieren und großen Gewinn machen?" sagte Spyker-Chef Victor Muller der "Financial Times" (Donnerstag). "Wo war Audi vor zehn oder 15 Jahren? Nun verkaufen sie eine Million Autos."
 
Der niederländische Sportwagen-Hersteller Spyker hatte Saab zu Wochenbeginn für 400 Millionen Dollar von General Motors übernommen (wir berichteten). Vor Spyker-Chef Muller liegt nun eine schwere Aufgabe: Zuletzt waren die Verkäufe von 95.000 Fahrzeugen auf nur noch knapp 40.000 eingebrochen, Saab schreibt anhaltend hohe Verluste. Autoexperten sehen in einer exklusiveren Modellpalette die einzige Chance, dass das Unternehmen wieder hochkommt. In diesem Jahr startet eine Neuauflage des Topmodells 9-5.
 
Saab9.5
 
"Wir müssen nicht rausgehen und neue Kunden finden", sagte Muller. "Wir müssen nur die zurückgewinnen, die wir verloren haben." General Motors hatte viele Käufer mit Qualitätsmängeln verschreckt. Zudem litt durch Großserientechnik Saabs Image als Marke für Individualisten.
 
Autoexperten rechnen damit, dass Saab sich gesundschrumpfen muss. Einen Schutz vor Stellenabbau gibt es nicht. "Die Chancen auf Neueinstellungen sind aber viel höher als auf Kündigungen", sagte Muller. Von den Bändern im schwedischen Werk Trollhättan sollen nach seinen Vorstellungen schon bald wieder 100.000 Autos im Jahr rollen. Ohne die Übernahme durch Spyker hätte General Motors die Marke mit ihren noch 3.400 Mitarbeitern eingestampft. (dpa)

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